Artikel Goethe-Institut

25.08.2008

Die Produzentin Regina Ziegler feiert 35-jähriges Firmenjubiläum Ihren ersten Film realisierte sie 1973 auf Pump und er brachte ihr bei der Vergabe des Bundesfilmpreises sofort eine Prämie ein. 2008 feiert Regina Ziegler ihr 35-jähriges Firmenjubiläum und gilt als die erfolgreichste Film- und TV-Produzentin in Deutschland.

Regina Ziegler gehört zu den Pionierinnen in Deutschlands männlich dominierter Produzentenriege. Aber es ist nicht nur ihre bis heute forsche Art, mit der sie sich zügig Respekt verschaffte. „Die Herren haben mich schnell respektiert“, stellt sie fest, „und zwar durch Leistung.“ Ich dachte, ich wäre tot hieß der erste Film, den sie produzierte. Den Stoff ihres zweiten Ehemannes Wolf Gremm wollte sie zunächst in der Nachwuchsschmiede des Zweiten Deutschen Fernsehens, „Das kleine Fernsehspiel“ unterbringen. Aber die Geschichte einer 17-Jährigen, die einen Selbstmordversuch unternimmt, weil sie sich der Enge und den Erwartungen ihres bürgerlichen Elternhauses nicht gewachsen fühlt, und die sich nach ihrer Rettung neu mit ihrem Leben auseinandersetzt, kam dort nicht an. Regina Ziegler entschied: „Dann machen wir das eben alleine.“

29 Jahre alt war sie damals. Hinter ihr lagen sieben Jahre Erfahrung als freiberufliche Produktionsassistentin beim Sender Freies Berlin. Für Ich dachte, ich wäre tot brauchte sie knapp 100.000 Mark. Das Geld wurde gepumpt. Das meiste kam von Freunden. Sie investierten gut. Bei der Vergabe des Bundesfilmpreises wurde der Erstling mit einer anerkennenden Produzentenprämie bedacht. Die Regina-Ziegler-Story wurde insgesamt zur Erfolgsgeschichte.

Zusammenarbeit mit den Größen der Branche Noch 1973 drehte sie mit Schauspieler und Regisseur Ulrich Schamoni den Film Chapeau Claque. Es folgten viele weitere, darunter Sommergäste (1975) mit Regisseur Peter Stein oder der TV-Dreiteiler Die große Flatter (1978) nach dem Jugendbuch von Leonie Ossowski mit Marianne Lüdcke als Regisseurin. Sie drehte mit Rainer Werner Fassbinder in der Hauptrolle Kamikaze (1989) , Regie Wolf Gremm oder Solo für Klarinette mit Götz George (1997). Ihre Erotic Tales, für die sie international renommierte Regisseure wie Nicolas Roeg, Ken Russel oder Susan Seidelman gewinnen konnte, wurden auf über 400 Festivals eingeladen.

Seit 1973 entstanden über 400 Kino- und Fernsehfilme, Dokumentationen und TV-Serien. Ihre Produktionen liefen auf den Festivals von Cannes und Venedig. Die Firma erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie unter anderem die „Goldene Rose von Montreux“ oder den „Grimmepreis“. Zwei Mal wurden Ziegler-Produktionen für den Oscar nominiert (Fabian, The Dutch Master). 2006 würdigte das Museum of Modern Art in New York das Filmschaffen der erfolgreichen Produzentin mit einer Retrospektive.

Lange bevor Regina Ziegler den ersten Büroraum anmietete arbeitete sie in ihrer Wohnung in der Berliner Nachodstraße oder im Keller ihres Hauses im Bezirk Schlachtensee. Heute agiert Ziegler Film an drei Standorten in Berlin, Köln und München. Die Belegschaft ist auf 30 Mitarbeiter angewachsen und die Produzentin stolz darauf, „dass aus der One-Woman-Show eine so große Firma geworden ist.“

Tochter Tanja tritt in die Fußstapfen Mehrheitsgesellschafterin der Firma ist inzwischen Tochter Tanja. „Wir sind ja alle endlich“, sagt Regina Ziegler. „Deshalb muss man sich irgendwann Gedanken über die Zukunft der Firma machen, die man aufgebaut hat. Die erste, mit der sie darüber sprach, war natürlich ihre Tochter. Die Absolventin des Faches Produktion bei der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf (HFF) in Potsdam Babelsberg hatte gerade ihre erste kleine Produktionsfirma gegründet. „Da schwang natürlich auch der Gedanke mit, dass sie mir als Konkurrentin hätte gefährlich werden können“, bemerkt Regina Ziegler, „und da habe ich die Konkurrenz doch lieber im Haus.“ Jetzt sind sie „Partnerinnen auf Augenhöhe“ und gemeinsam „wie die Trüffelschweine auf der Suche nach neuen Stoffen.“ Was die Produzentin gleichermaßen begeistert wie beruhigt: „Wir stoßen immer noch auf diese teuren Pilze.“ Einer davon ist die 18 Millionen Euro teure Verfilmung des Heinrich Mann Romans Henri Quatre, der für die Kinoleinwand und als Zweiteiler für das Fernsehen produziert wird. Drehbeginn für die aufwändige deutsch-französische Koproduktion, die in französischen Schlössern und außerdem an Originalschauplätzen in Tschechien spielt: September 2008. Die Studioaufnahmen werden in Köln stattfinden.

Ziegler Film war von Beginn an sehr rege und flexibel, was neue Stoffe und Themen betrifft. So widmete sich die Firma mit Im Schatten der Macht (2003) den Umständen, die zum Sturz Willy Brandts führten oder aktuell mit dem eigens entwickelten Format der „Doku-Fiction“ in 2030 – Aufstand der Alten (2006) der demografischen Entwicklung in Deutschland.

Wie alle Produzenten wird natürlich auch Ziegler Film von Autoren mit Stoffen überhäuft. Doch welchen Kriterien müssen sie genügen, damit eine Chance auf Realisierung besteht? Sie muss nicht lange überlegen. „Wenn ich nach dem Lesen das Gefühl habe, das würde ich gerne als Film sehen.“ Bisher hat sie sich selten getäuscht.

Sabine Pahlke-Grygier ist freie Journalistin und Autorin, 2008 erschien ihr Buch "Kinohits für Kids - die schönsten Kinderfilme auf DVD" beim Henschel Verlag

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