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Am Anfang war der Dieb (1984)

Die Hand mit der filterlosen Zigarette zittert, aber die Großaufnahme der Fernsehkamera die jede Falte, jede Bartstoppel abtastet, offen voyeurhaft auf der Suche nach dem Dieb, dem Dichter, dem Mythos Genet, zeigen Augen, die noch immer voller List sind. Es dauert nicht lange und Genet hat seine Interviewer in die Enge getrieben. Er schimpft auf Berlin, die "amerikanisierte Stadt". 1935 sei er hier und in deutsche Männer verliebt gewesen. Heute regten sie ihn überhaupt nicht mehr auf: Für die Erotik sei Deutschland verloren. Seine Literatur sei "eine bescheidene Arbeit, eine sehr bescheidene ... ein Mittel, nicht wieder ins Gefängnis zu gehen". Für ihn gebe es keine Naziverbrecher, nur Verbrechen gegen Juden, Indianer, Neger, Palästinenser. "Ich weiß nicht, ob ich einen neuen Ausdruck in die französische Sprache gebracht habe, ich weiß nicht, ob ich eine neue Dichtung geschaffen habe. Wenn es mir aber gelungen ist, so etwas fertig zu bringen, so nicht, weil ich die französische Sprache liebe, sondern weil ich sie hasse.“

Stab

Regie
Jean Genet, Francois Bondy, Hans Neuenfels

Produzent
Regina Ziegler

Infos

Sender
SFB

Genre
Documentary

Format
16 mm Farbe

Länge
35 min.

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