Die Passage

2003
Mit DIE PASSAGE beendet Jos Stelling seine Triologie der EROTIC TALES. Stilistisch sind alle drei Filme (DER WARTESAAL, DIE TANKSTELLE, DIE PASSAGE) eng miteinander verbunden. Jedes Werk kommt ohne Dialog aus, jeder Film erzählt eine sexuelle Phantasie, die an einem öffentlichen Ort ausgelebt wird und die jedes Mal demselben bemitleidenswerten Charakter – dem wunderbaren belgischen Schauspieler Gene Bervoets – widerfährt.

Music

2003
Gewürzt mit surrealen, kafkaesken Wendungen, erzählt MUSIC von einem Mann, der klassische Musik liebt. Schwankend zwischen Bach oder Beethoven - Realität und Phantasie – ist er auf der Suche nach etwas…. Die Begegnung mit Veronika in einem Café führt ihn in ein skurriles Hotel und zu Juliette. Nur… was ist in dieser Nacht wirklich passiert – und überhaupt – wo ist Juliette…

NR. 23, oder wie der Honiglöffel in die Wäsche kam

2003
Ein regnerischer Abend, ein liegengebliebenes Auto und ein einsames altes Haus, in dem nur ein Fenster beleuchtet ist. Patschnass klopft Markus an und unterbricht Renee, die gerade töpfert.

Eine erotische Geschichte

2002
Ernest Hemingway schrieb seine Geschichten in einem Pariser Café. Niko bevorzugt es, seine erotische Geschichte in einer Berliner Bar, hinter einem Aquarium, zu entwerfen. Ein guter Ort, um Frauen zu treffen.

EROTIC TALES - porn.com

2002
Der legendäre Filmemacher Matty Bonkers (Bob Rafelson) kommt aus Hollywood nach Berlin, um seinen Film MOCKERY im Rahmen einer Retrospektive zu präsentieren. Während der Vorstellung erhält er einen Anruf von seinem Produzenten Blau, der angeblich sterbenskrank im Krankenhaus liegt. Blau (Trevor Griffiths) bittet Bonkers um einen Gefallen. Matty soll einen Pornofilm zu Ende drehen, bevor Tokyo Tony ihm die Beine bricht. Zögernd willigt Matty ein. Auf dem Set trifft er die Darstellerin und Ex-Cellospielerin Inga (Fabienne Babe). Diese Begegnung ist bizzar und erhebend -und führt zu einer wahren Erleuchtung. Nach FEUCHT, einem Klassiker der EROTIC TALES, kann man Bob Rafelson in PORN.COM nun zum ersten Mal als Hauptdarsteller erleben.

Zwischenspiel...

2002
Die kalifornische Wüste – irgendwo zwischen Death Valley und Los Angeles. Sie, ein Wirbelwind, hat nach einem Streit mit Ihrem Ex ihr Handy weggeworfen und haut einfach ab.

Angela

2000
Manhattan – trister Alltag, jeden Tag, jede Woche und jeden Monat. Bobs Leben ist mittlerweile ziemlich langweilig geworden. Vielleicht hat sein Therapeut wirklich recht, und er sollte eine Kontaktanzeige aufgeben, um jemanden kennen zu lernen.

Die Nachtschwester

2000
Hintergrund Vor über sieben Jahren wurden die EROTIC TALES in Cannes an einem Sonntag morgen dem Publikum vorgestellt. Susan Seidelmans DER FLÄMISCHE MEISTER und Bob Rafelsons FEUCHT wurden im Grand Théatre Lumier präsentiert und mit Begeisterung vom Publikum aufgenommen. Sofort wurde die Reihe mit profilierten Filmemachern in Verbindung gebracht. Im Laufe der Zeit ist dieser Zirkel erweitert worden. Mittlerweile gibt es Filme von Regisseuren aus aller Welt und allen Kulturen, Regisseurinnen mit einem feministischen Standpunkt, Filme aus der homosexuellen Szene und Auteurs – Filmemacher, die ihr ganz persönliches Statement zu dem Thema EROTIK verfilmt haben. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Tanja Ziegler vorschlug, einen jungen, noch unbekannten Filmregisseur, mit in die Reihe aufnahm. Gesagt, getan und Ziegler Film machte sich an die Arbeit. Bernd Heiber, ein Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolff in Babelsberg, war der ideale Kandidat. Obwohl seine Filmographie bis dato nur vier Studentenfilme vorwies, hatte er sich dennoch bereits einen Namen als Drehbuchautor und Theaterregisseur gemacht. Zudem wurden seine Kurzfilme auf bedeutenden Festivals präsentiert. SCHEISSLEBEN (1996) wurde nach Saarbrücken eingeladen und sein Abschlußfilm DAS KLOPFEN (1998) ein Psycho-Thriller mit Edgar Allan Poe Einflüssen wurde auf dem Filmfest in Cottbus präsentiert. Paul Fassnacht, der bereits in DAS KLOPFEN einen Strafgefangenen spielt, der von einem permanenten Klopfen schier verrückt zu werden scheint, ist auch in DIE NACHTSCHWESTER zu sehen. Hier spielt er einen Polizisten, der von Zahnschmerzen geplagt wird, bis er auf die Nachtschwester trifft, die ihm ganz andere Probleme bereitet.

Die Tankstelle

2000
Hintergrund Für Jos Stelling ist die Teilnahme an jeglichen internationalen Filmfestivals eine reine Freude. Wenn er nach Riga zum Arsenals Festival fährt, (er war mittlerweile zweimal dort) dann begrüßen ihn seine Fans schon auf der Straße. Denn bereits 1988 wurde er dort mit einer Retrospektive geehrt. Auch in St. Petersburg ist er wohlbekannt. 1997 erhielt er dort für seinen Kurzfilm DER WARTESAAL (1995) den Goldenen Gryphon sowie den Publikumspreis. Diese beiden Preise folgten kurz darauf in den Niederlanden das Goldene Kalb, sowie der Prix de Presse in Montreux. Nach all diesen Ehrungen war es logisch, dass Regina Zielger, Jos Stelling ein zweites EROTIC TALE anbot, mit der Idee, schlußendlich drei Kurzfilme des Regisseurs zu einem Langfilm zu bündeln. Jos Stellings Filme benötigen keinen Dialog. Der Wartesaal, in Stellings erstem EROTIC TALE DER WARTESAAL, in einer Bahnhofshalle zieht schon von sich aus eine Anzahl von skurrilen Gestalten an; bizarre Menschen, Freaks, Exzentriker. Mit dem Schauspieler Gene Bervoets in der Rolle des Macho- Archetypen, der alles daran setzt, seine Männlichkeit unter Beweis zu stellen, hat Jos Stelling auch einen wunderbaren Darsteller, der alleine durch seine brilliante Mimik und Körpersprache überzeugt. Wenn man nun Ellen ten Damme und wiederum Gene Bervoets in DIE TANKSTELLE beobachtet, dann weiß man, worum es geht. Wo sonst als an einer Tankstelle kann man sich auf eine kurze, spannende Erholung freuen, nachdem man stundenlang in einem Stau steckte.

Kimono

2000
Hintergrund Gilles Jacob, Festivalleiter der Filmfestspiele in Cannes hat allen Grund, sich damit zu rühmen, dass er junge Filmemacher entdeckt und deren Kariere gefördert hat. Zu seinen Entdeckungen gehört allen voran Lars van Trier, dessen Film DANCER IN THE DARK dieses Jahr die goldene Palme erhalten hat. Ein weiterer Regissuer war der Pole Krzystof Kieslowski ein immer wiederkehrender Cannes-Gast. Und natürlich auch die Großen des amerikanischen unabhängigen Kinos wie Jim Jarmusch, die Coen Brothers und Hal Hartley. Es war einen logische Konsequenz Hal Hartley anzusprechen, und ihn um einen Beitrag zur EROTIC TALES Reihe zu bitten. Er ist ein wahrer Independent, der in der Rolle des Drehbuchautors, Regisseurs, Produzent, Komponist auftritt. Aber er zeichnet bei Zeiten auch für den Schnitt verantwortlich und manchmal taucht er sogar als Schauspieler in seinen eigenen Filme auf. Somit ein Filmemacher, der seine eigenen Filme von Anfang bis Ende gestaltet. Nachdem Hal Hartley die erste Staffel der EROTIC TALES gesehen hatte, war er von der Vielfalt der Geschichten von verschiedensten Regisseuren aus verschiedensten Kulturen begeistert. Ihm gefiel, das Konzept, den Regisseuren die Freiheit zu geben, ihre eigenen Träume, Phantasien, Wunschvorstellungen umzusetzen, und somit ein ganz persönliches Statement zu realisieren. Als Ziegler Film ihn ansprach und fragte, ob er, der Regisseur von Filmen wie SIMPLE MEN ( Cannes 1992) AMATEUR 1994), FLIRT (1995) und HENRY FOOL (1998), auch einen Film zu der Reihe beitragen möchte, schlug er eine Geschichte vor, die in verschiedene Genres greift und mit der Phantasie des Zuschauers spielt. KIMONO ist ein außergewöhnliches EROTIC TALE, ein Märchen, das verschiedene Kulturkreise miteinander verbindet. Auf den ersten Blick mag dies den Betrachter an die französische Avangarde erinnern; vielleicht noch ein wenig an das neue amerikanische Kino. Schaut man allerdings näher hin, gibt es Referenzen zu japanischen Geistergeschichten, zu freudschen Methaphern und zu Traumtheorien. Das Besondere an diesem Film sind die japanischen Haikos, die vereinzelt in dem Film auftauchen. Kurz gesagt, KIMONO hat etwas für jeden Cineasten, was die Einladungen zu den renommierten Filmfestival in Rotterdam, Venedig und Toronto belegen.

On Top Down Under

2000
Hintergrund In der ersten Staffel der EROTIC TALES gab es nur einen einzigen Film, der ganz ohne Dialog auskam: DER WARTESAAL von Jos Stelling. Im Vergleich dazu gibt es in der zweiten Staffel drei Kurzfilme, die keinerlei Dialog benötigen. Jos Stellings DIE TANKSTELLE, Hal Hartleys KIMONO und Fridrik Thor Fridrikssons ON TOP DOWN UNDER. Fridrik Thor Fridrikssons Beitrag ist einzigartig, da sich die beiden Protagonisten an den entlegensten Orten der Welt befinden. ON TOP in Island und DOWN UNDER in Australien, jedoch eng miteinander verbunden durch parallele und zeitgleiche Handlungen. Worte würden dieses Zusammenspiel nur stören. Der Film verlangt vom Betrachter sowohl die Logik des Zufalls zu akzeptieren, als auch für einen Moment weltliche Gesetzmäßigkeiten zu ignorieren. Das Mystische, das Übersinnliche, der Zufall und das Metaphysische sind bekannte Element der Filme des Drehbuchautors, Regisseur und Produzenten Fridrik Thor Fridriksson. Sein Film CHILDREN OF NATURE (1991) wurde sowohl für einen Oskar als auch den Felix nominiert. Dieser Film erzählt von zwei Senioren, die aus dem Altersheim entfliehen und sich auf eine Reise durch Island zu den Wurzeln der Natur machen. In COLD FEVER (1994) reist ein japanischer Geschäftsmann durch Island, um symbolisch seinen Eltern, in Form eines Begräbnisrituals, den letzten Respekt zu zollen. Und in Fridrikssons letztem Film ANGELS OF THE UNIVERS (1999) wird ein junger Mann in eine Nervenheilanstalt eingewiesen, wo es alltäglich ist, das man fremde Stimmen hört und telepathische Fähigkeiten besitzt. ON TOP – in Island- erinnert sich einen junge Frau an ihre Sommerliebe, einen jungen Mann, der sich DOWN UNDER- in Australien- in der heißen Mittagshitze ebenfalls an seine Liebe erinnert. Die Sehnsucht und das Verlangen der beiden wird reflektiert durch John Keats Gedicht.

Powers - Magische Kräfte

2000
Hintergrund Das neue tschechische Kino boomt. Nach der sanften Revolution 1989 in Prag – dem Pendant zum Mauerfall in Berlin – wurde das tschechische Kino wiederbelebt. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Zu dieser Wiederbelebungsbewegung gehören Filme wie KOLYA von Jan Svenra (Oskar 1997) Petr Zelenkas BUTTONERS (1999 Rotterdam Tiger Award) Sasha Gedeons RETURN OF THE IDIOT (1999 Venedig Beitrag) und Jan Hrebjks COZY DENS (1999 Box Office Hit in der Tschechischen Republik). Ganz allgemein gesprochen sind diese Filme so erfolgreich, weil sie entweder von den Problemen der jüngeren Generation erzählen, oder die eigene Geschichte in einen korrekten historischen Kontext setzen. Ein Indiz für den nationalen Erfolg und Beliebtheit ist der GOLDEN KINGFISHER Preis, der jedes Jahr im April in Pilzen vergeben wird. Petr Zelenka, Student der Drehbuchbteilung der berühmten Prager Film Schule (FAMU) hat diesen Preis bereits zweimal erhalten 1997 für sein Mockumentary MNAGNA - HAPPY END und 1998 für BUTTONERS. Beide Male bewies Zelenka, dass er eine feines Gespür für witzige, spitzfindige und anspruchsvolle Geschichten hat. MNAGNA – HAPPY END bezaubert und verführt den Zuschauer, der einer Dokumentation über eine neue Rockband beiwohnt, die vielleicht gar nicht existiert und dessen Interviews reine Fiktion sind? Ebenso begeistert der Film BUTTONERS durch seine Mischung aus Absurdem und Tragischen, der sechs raffiniert miteinander verwobenen, Geschichten erzählt. Als Petr Zelenka angesprochen wurde, ob er nicht einen Beitrag zur EROTIC TALEs Reihe leisten möchte, antwortete er, typisch für ihn: „Okay. Gerne. Aber ihr habt schon so viele erotische Geschichten; ich würde gerne eine philosophisch – erotische Geschichte erzählen.“ Das Ergebnis ist eine fein konstruierte, schnell erzählte Geschichte über einen Magier, der in einem Nachtclub arbeitet und mit Beginn des neuen Jahrtausends plötzlich übernatürliche Fähigkeiten besitzt, die er nicht mehr kontrollieren kann.

Tagebuch einer Verführung

2000
Hintergrund Wird Erotik von Frauen anders inszeniert als von Männern? Fragt man einen „Universitätsprofessor“ nach seiner Meinung, bekommt man eine Vielzahl von Antworten. Zwei der ersten zwölf Filme der EROTIC TALES Reihe wurden von Frauen realiesiet. Susan Seidelmans DER FLÄMISCHE MEISTER und Cinzia Th. Torrinis ZUCKERSCHNUTE. Und beide Filme waren international mehr erfolgreich. DER FLÄMISCHE MEISTER wurde nach Cannes eingeladen und für den Oskar nominiert, und ZUCKERSCHNUTE erhielt den GOLDEN ROCKIES AWARD in Banff, Canada. In der zweiten Staffel nun präsntiert Susan Streitfeld TAGEBUCH EINER VERFÜHRUNG. Die Regisseurin des Films FEMALE PERVERSION (1996) , einem viel beachteten Film zum Thema Feminismus, kennt sich mit dem Thema bestens aus. „Es war schwer, eine entsprechende Schauspielerin für die Rolle der berechnenden Karrierefrau zu finden“, sagt Susan Streitfeld in einem Interview, „aber als ich Tilda Swinton kennenlernte, war das Problem gelöst. Eine bessere Besetzung hätte ich mir nicht wünschen können.“ Anders als in ihrem ersten Film, schlägt Susan Streifeld mit dem Kurzfilm leichtere, fröhlichere Töne an. Der Film TAGEBUCH EINER VERFÜHRUNG erzählt von einer jungen Frau, die seit Kindheit ein Videotagebuch führt, und die dieses Projekt beenden möchte, indem sie den Verlust ihrer Unschuld aufzeichnet. Nachdem sie sich ihren Kandidaten aus dem Internet rekrutiert hat, stehlt dem Dreh ihrer Affäre im Garden of Eden Motel in den Bergen Hollywoods nichts mehr im Wege.

Verkehrsinsel

2000
Zarah - eine junge Künstlerin - liebt Sex mit Anton - am liebsten an öffentlichen Orten, genau dort, wo die Gefahr entdeckt zu werden, am Größten ist.

Can I Be Your Bratwurst, Please?

1999
Hintergrund Rosa war nicht wenig überrascht, als er erfuhr, dass seine BRATWURST in den letzten 18 Monaten auf über 80 Festivals weltweit präsentiert wurde – durchschnittlich also einmal pro Woche. „ Wenn wir bis zum Ende des Jahres die 100 Festivals Marke erreichen,“ , ulkte Regina Ziegler, „ dann sollten wir vielleicht den Film beim Guinness Buch der Rekorde anmelden.“ Die Freundschaft zwischen der Produzetin Regina Zielger und dem Drehbuchautor und Regisseur Rosa von Praunheim besteht seit über 30 Jahren. Bereits 1970 leitete Regina Ziegler die Produktion des Kultklassikers DIE BETTWURST(1970). Rosas (alias Holger Mischwitzki) Tante Luci Kryn und der unnachahmliche Dietmar Kracht waren so ein gutes Gespann, das auf den ersten gleich der zweite Film, die BERLINER BETTWURST (1973) folgte. Es hätte sicherlich noch weitere Folgen dieser Filme gegeben, wenn Dietmar nicht versucht hätte, durch die Havel zu schwimmen. Aber CAN I BE YOUR BRATWURST, PLEASE? kann gut und gerne als dritter Teil der Reihe gelten. Ein freches, schrilles, skurriles und vor allem witziges EROTIC TALE, mit Luci Kryns in ihrer letzten Rolle. Gedreht wurde der Film in dem legendären Highland Gardens Motel in Hollywood. Star des Films ist der Pornstar Jeff Stryker in seiner ersten Filmrolle. BRATWURST beweist, dass Rosa von Praunheim ein wunderbarer Geschichtenerzähler ist, mit gutem Gespühr für Timing und Komik und Absurdität. Ein Kritiker meinte: „Ein solches Weihnachtsessen gab es noch nie.“

Das rote Strumpfband

1999
Hintergrund „Wenn es nicht erotisch ist, ist es nicht interessant“, schrieb der spanische Schriftsteller Fernando Arrabal. Aber er hat uns nie verraten, was er erotisch findet. Genau so wie Luis Bunuel – einer der Meister des erotischen Kinos. Aber einem würden diese Herren sicherlich auch bestimmen, dass es einen Unterschied zwischen EROTIK und EROTIQUE gibt; das heißt, eine klare Abgrenzung zwischen moralisch akzeptierten Standards und der Pornoindustrie. Aber auch diese Grenzen beginnen sich zu verwischen, entsprechend den Vorstellungen einer Filmproduktion und den Vorgaben des jeweiligen Fernsehsenders. Wenn man eine Übersicht zu dem Thema „ Die EROTIC TALES auf 250 Filmfestivals“ verfassen würden, dann dürfte man auf keinen Fall vergessen, über die Aufstände in Indien, die komplett ausverkauften Häuser in Italien und die vielen Einladungen der ganzen Reihe nach Rußland und die Ukraine zu schreiben. Gleichzeitig müßte man auch über die Grenzen des Anstandes der Fernsehsender schreiben. Der Film DAS ROTE STRUMPFBAND von Markus Fischer, stößt sicherlich mit seinem Film genau an diese Grenzen. DAS ROTE STRUMPFBAND basiert auf einer Kurzgeschichte des spanischen Schriftstellers Juan Marsé. Als bekannter schweizer Fernsehregisseur ist Markus Fischer in Deutschland vor allem für seine Tatortverfilmungen bekannt, die er zum Teil selber schreibt, und oftmals auch die Musik dazu komponiert. Aber auch Dokumentarfilme und Spielfilme, die er oftmals selber schneidet, gehören zu seinem Repertoire. Sein EROTIC TALE DAS ROTE STRUMPFBAND fordert vom Zuschauer im Verlauf der Geschichte ständig die Perspektive zu wechseln. Dieser Psycho-Thriller ist eine Traumgeschichte und erzählt von zwei extremen Verführungen.

Georgische Trauben

1999
Hintergrund Georgi Shengelaia ist der bekannte und berühmte Schauspieler und Regisseur der georgischen Shengelaia Filmfamilie. Er ist der zweite Sohn des bekannten Regissuers Nikolai Shengelaia, (dessen Filme ELISO (1928) und TWENTY SIX COMMISARS (1933) zu den besten Stummfilmen der ehemaligen Soviet Union zählen), und der legendären Bühnen und Filmschauspielerin Nato Vachnadze. Georgis älterer Bruder Eldar Shengelaya ist Vorstandsvorsitzender der Georgischen Film Assoziation und zur Zeit auch Parlamentsmitglied in Georgien. Während seines Studiums an der Moskauer Filmschule (VGIK) zur Zeit von Alexander Dovzhenko, drehte Georgi Sehngelaia den Kurzfilm ALAVERDOBA (1962/1967), der von der Reise zu einem traditionellen georgischen Erntedankfest in einer alten Kirche handelt. Mit seinen folkloristischen und religiösen Anspielungen, spiegelte dieser Film den momentanen nationalen Zeitgeist. Daraufhin wurde die Aufführung des Films für fünf Jahre verboten. Nach Georgi Shengelaia Rückkehr nach Tiblissi und den Grusiafilm Studios, forderte er mit dem kleinen, nationalen epischen Werk PIROSMANI (1969/1972) erneut die sovjetische Zensur heraus. Der Film erzählt die fiktive, humanistische Geschichte des naiven Malers Niko Piroschmanisvili, der 1918 verhungerte und nur wenig hinterlies. Ähnlich wie auch Vincent van Goh, wurde auch er erst nach seinem Tod berühmt. Aufgrund seiner religiösen Anspielungen (und dem schlecht versteckten PASSION PLAY) wurde PIROSMANI von der Regierung drei Jahre lang verboten. GEORGISCHE TRAUBEN ist ein Werk des Regisseurs, das sich nahtlos in seine Sammlung an folkloristischen Geschichten einreiht. MELODIES FROM AN OLD QUARTER (1973), COME TO THE VALLEY OF THE GRAPES (1976) A YOUNG COMPOSERS ODYSSEY (1984) – sind alles Geschichte, die den Alltag, den Humor und die Lebenseinstellung der Menschen in Georigien wiederspiegeln. Wenn man das Stadtleben dem Landleben gegenübergestellt, flotten Dialog und Witz dazugibt, das Ganze mit Folkloremusik unterlegt und in eine herbstliche Stimmung setzt, dann erhält man ganz schnell ein liebenswertes georgisches Märchen.

Träum was Schönes

1999
Je näher der Hochzeitstermin für Yannis rückt, desto nervöser wird er. In der letzten Zeit hat er immer wieder denselben Traum. Ihm erscheint eine blonde Schönheit, die ihn mit ihrem Lächeln, ihrer Figur und ihrer Sinnlichkeit einfach betört.

Der Elefant vergißt nie

1996
Hintergrund Detlev Buck ist ein Naturtalent in Sachen „Erotic Tale“. In „Eine Rolle Duschen“, einer Übungsarbeit auf der Berliner Filmakademie, spielte er mit den Phantasien eines schüchternen jungen Mannes in einer öffentlichen Dusche, dessen Träumereien plötzlich durch das Erscheinen einer ungehobelten Frau unterbrochen werden. Sein Beitrag zur Berlinale 1993, die Komödie „Wir können auch anders“, von einem Kritiker als „Vladimir und Estragon in einem Roadmovie“ beschrieben, nahm das Publikum gefangen und machte den begnadeten Komödianten Joachim Król zum Star. Als die Regina Ziegler mit dem Wunsch nach einem „Erotic Tale“ an Buck herantrat, tauchte ein verräterischer Glanz in seinen Augen auf. Detlev Buck hatte gerade ein Film-Feature fertiggestellt, als er sich mit Regina Ziegler in einem italienischen Restaurant traf, um ihr ein paar Ideen vorzusetzen, die ihm seinen Schlaf geraubt hatten. „Da ist dieser Zwerg...im Zirkus...mit einer Gräfin...“

Der Wartesaal

1996
Hintergrund Das erste Filmfestival in Riga wurde 1988 mit der Ehrung des Lebenswerkes von Jos Stelling eröffnet. Die meisten Kinofans kennen sein Debütwerk „Mariken van Nieueghen“. Diese gleichermaßen moderne wie einfallsreiche Version eines mittelalterlichen Moraldramas lief 1975 im offiziellen Cannes-Wettbewerb. Stellings weitere Filme sind allesamt experimentelle, autobiographische Historiendramen voll von unterdrückten Leidenschaften. Die Bandbreite der Themen reicht von Betrug bis Illusion, Phantastereien, die gespickt sind mit Witz und Humor. Diese Filme verliehen Stelling auf internationalen Festivals schnell den Status eines Kult-Regisseurs. Lediglich der Brite Derek Jarmann traute sich diese Gradwanderung in der Verbindung von epischen Selbstportraits und Minimalisten-Kino zu. Mit jedem seiner Filme hat Stelling sein Werk eiterentwickelt:“ Elckerlyc“ (1975), „Rembrandt Fecit 1669“ (1977), „The Pretenders“ (1981), „The Illusionist” (1983), “The Pointsmen” (1986) und “The Flying Dutchman” (1995). Die Realisierung des letztgenannten Films dauerte sieben Jahre. 1995 war „The Flying Dutchman“ offizieller Beitrag der Niederlande auf der Biennale.

Sambolico

1996
Hintergrund Im letzten Juli, als Mika Kaurismäki für sein Werk in Karlovy Vary geehrt wurde, fragte die Regina Ziegler Filmproduktion, ob er nicht ebenfalls ein „Erotic Tale“ drehen wolle. „Kann ich auch in Rio drehen?“, lautete die Gegenfrage. Dort verbringt der aus Helsinki stammende Mika die meiste Zeit – und Marcel Camus „Orfeu Negro“ (Goldene Palme in Cannes 1959) zählt zu seinen Lieblingsfilmen. Ein paar Wochen später-sein Thriller „Condition Red“ mit Cyndia Williams (bekannt aus Bob Rafelsons „Wet“) lief gerade im offiziellen Wettbewerb auf dem Filmfestival in Moskau- präsentierte Mika seine Vorstellung der erotischen Version der Orpheus-Legende. „Sambolico“ sollte in der Samba-Saison, Brasiliens wildester, heißester und turbulentester Zeit, spielen. Kari Väänänen-bekannt als mittelloser Komponist Schaunard in Aki Kaurismäkis „La Vie de Bohéme » (1991)- spielt einen finnischen Dirigenten, den es nach einem erfolgreichen Konzert an die Copacabana verschlägt. Am Strand lernt er eine junge Frau kennen, die vor einem brutalen Typ davonrennt. Das Treffen gipfelt in einer aufregenden Reise durch Rios Nachtclubs. Die beiden finden sich plötzlich inmitten von Samba-Gruppen, die sich auf ihren großen Auftritt vorbereiten. Als der Dirigent am nächsten Morgen in seinem Hotelzimmer aufwacht, ist er sich nicht mehr sicher, ob er alles nur geträumt hat. Es stellt sich heraus, dass das junge Mädchen tatsächlich existiert. Aber ist sie nicht ein Er? Mika Karismäki ist ein Kult-Regisseur mit einer Affinität zum Nihilismus eines Godard und zu amerikanischen B-Movies. Zuvor hatte er mit Kari Väänänen „Amazon“ (1991) abgedreht und 1994 mit Sam Fuller und Jim Jarmusch in Brasilien „Tigero“ fertiggestellt. „Rio ist mein Hausgarten“

Der Teufel und die Jungfrau

1995
Hintergrund Ron Henderson, Festival-Direktor in Denver, hatte die “Erotic Tales” aufmerksam von der Premiere 1993 in Telluride an verfolgt. Als das Denver-Festival im folgenden Oktober näher rückte, wurden Regina Ziegler und Wolf Gremm mit dem „Moviemakers Tribute“ geehrt, und die „Erotic Tales“ sollten den Festival-Höhepunkt darstellen. Nachdem Henderson auf der Berlinale ein Videoband von Janusz Majewskis „Devilish Education“ gesehen hatte, buchte er die „polnische Geschichte“ vom Fleck weg: „Die Amerikaner werden sie lieben.“ Es war einmal, gegen Ende des letzten Jahrhunderts, als das Milchmädchen Gosia in ihrer ländlichen Idylle auf die Kühe acht gab. In der glühenden Hitze des Nachmittags geht sie an den Fluß, um dort nackt zu baden. Am nächsten Tag erscheint ein schwarz gekleideter Fremder und zeigt ihr ein Gemälde, das er von ihr gemalt hat. Bloßgestellt, aber nicht verletzt macht sie seine Bekanntschaft. Bald schon hat der Maler sie mit den süßen Seiten des Lebens vertraut gemacht. Liebe und Sex, die Schönheit der Kunst, die Musik Mozarts und die Freude, an einem gedeckten Tisch zu speisen. Die Wiese wird zum natürlichen Ort für diese Lektionen, die so sehr im Gegensatz zu den moralischen Bedenken der Mutter, den puritanischen Werten der Kirche und den rätselhaften medizinischen Erklärungen des Landarztes stehen. „Vielleicht befiehlt ihr der Teufel, so zu handeln“, lautet die Erklärung ihrer Umwelt. Renata Dancewicz ist mit ihrer Rolle als Gosia in „Devilish Education“ der aufsteigende Stern am polnischen Filmhimmel. „Großartig“, äußerte sich ein amerikanuscher Kritiker in Montreal. „Ist der Teufel wirklich? Eine dämonische Vision?“, fragt ein Kritiker aus Vancouver. „Aber wen kümmert´s bei einer Schauspielerin wie Renata Dancewicz?“

Hotel Paradise

1995
Hintergrund Die „Erotic Tales“ waren im Juni zum zweiten Mal in Folge beim Filmfestival in München zu sehen. „Hotel Paradise“ sollte die Glasur auf dem Festival- Kuchen sein. In der Sektion „Retroperspektive“ sollte das Werk eines der besten Regisseure sowie seiner Frau, der Schauspielerin Theresa Russell (in „Insignificance“ eine verblüffend intellektuelle Marilyn Monroe) geehrt werden. Roeg hatte sich verpflichted, ein „Erotic Tale“ zu drehen, nachdem Regina Ziegler ihn bei einer Stippvisite in L.A. in seinem Versteck im Laurel Canyon aufgestöbert hatte. „Ich werde dich wissen lassen, wenn ich Zeit habe...und Theresa könnte an der Mitarbeit auch Gefallen finden.“ Schnitt in die Hochzeitssuite eines luxuriösen Hotels in London, der Szenerie von „Hotel Paradise““: Eine attraktive junge Frau in der Blüte ihrer Jahre erwacht mit einem fürchterlichen Kater. Zu ihrer Überraschung findet sie sich in einem Hotelzimmer wieder. An den Händen gefesselt liegt sie in einem Bett mit einem nackten Mann. Damit nicht genug des Schreckens. An diesem Tag soll sie heiraten. Und die Krönung der Geschichte – der Mann neben ihr ist ein Fremder. Die Hochzeitsgäste sollen in der nächsten halben Stunde eintreffen. Der Haken an der Sache? Das ist eine Mafia-Hochzeit...Die Braut, nur mit einem hauchdünnen Nichts bekleidet, kann sich von ihrer Fessel befreien und rafft soviel wie möglich von ihrer Aussteuer zusammen. Derweil erwacht ihr gutaussehender Bettnachbar langsam und gibt ihr nur den guten Rat, die Stadt so schnell wie möglich zu verlasse. Aber wer ist dieser Typ? Und warum steckt er sich eine Waffe in den Stiefel? Die einzigen Hinweise zur Lösung dieser Fragen bietet ein Gemälde von Rousseau und die Neigung des Fremden, aus Thomas Hardys Gedicht von der sinkenden Titanic zu zitieren. Theresa Russell spielt halb ausgezogen eine anziehende Revolver-Lady und Vincent d´Onofrio einen Macho-Poeten in dieser schlau angelegten Satire auf das Gangster-Genre von Michael Allin. „Ein erotischer Thriller“, hieß das Urteil auf dem Londoner Film-Festival.

Zuckerschnute

1995
Annas Alter ist nicht zu übersehen, aber sie ist nach wie vor eine eindrucksvolle Persönlichkeit in der Blüte ihres Lebens. Und sie ist entschlossen, das schwindende Verlangen ihres Ehemanns wiederzuerwecken.

Berührungen

1994
Hintergrund 1993 war Paul Cox der Vorsitzende der Jury des Internationalen Filmfestivals in Istanbul, als er von der Regina Ziegler Filmproduktion das Angebot bekam, ein „Erotic Tale“ zu drehen. „Wäre es in Ordnung, wenn ich gegen Weihnachten anfangen würde? Dann habe ich ausreichend Zeit zwischen zwei Projekten. Aber was soll das sein, ein „Erotic Tale?“ Ein Zwischenstop in Berlin löste diese Frage. Cox verbrachte ein Wochenende damit, von Fernsehkanal zu Fernsehkanal zu „surfen“, um Eine Vorstellung davon zu bekommen, was die Qualität eines „Erotic Tale“ ausmacht. Dann hatte er die Idee: „Vielleicht ist es an der Zeit, einen Film zu drehen, der die Geschichte zweier Mädchen erzählt, die ein phantastisches Wochenende auf einer Farm verbringen.“ Paul ist der Regisseur für Frauen-Filme. Seine Firma „Illumination Films“ überlebt nicht zuletzt deswegen, weil sie dem Prinzip treu geblieben ist, mit Low-Budget-Arbeiten gegen den Strom und gegen die Major Companies Hollywoods zu schwimmen. Filme wie „Man of Flowers“ (1983) und “My first Wife” (1984) beschäftigen sich so radikal mit den Themen Sex, Phantasie und Außenseitern, wie es nur wenige Regisseure wagen. „Es sind ehrliche Filme, über mich, meine Gefühle und damit vermutlich auch über die anderer Menschen“. Für die köstliche Eröffnungsszene versammelte Paul Cox alle seine Freunde in einem atelier, um die nackte Maya zu malen. Dann – so das Drehbuch – verlässt das Modell das Atelier, um ein zärtliches Wochenende mit ihrer Kunstlehrerin zu verbringen, um sich eins zu fühlen mit der Natur...bei Wein und Mozart. „Touch me“ wurde auf einem Schwulen –und Lesben-Festival präsentiert, und ein Kritiker urteilte über den Film, er sei so nahe an einem Soft-Porno wie nur möglich, ohne dabei die Qualität eines „Erotic Tale“ zu verlieren. „Claudia Karvan ist wunderschön“, sagte ein anderer, genau wie Gosia Dobrowolska, die Kunstlehrerin, die wohl jeden halbwegs normalen Mann dazu verführen könnte, mit ihr ein Wochenende auf dem Lande zu verbringen.

Die Himmelspforte

1994
Hintergrund Das Internationale Film-Festival in Indien, das im Januar 1994 in Bombay stattfand, war in Aufruhr. Zum ersten Mal, abgesehen von den Schätzen der klassischen indischen erotischen Kunst und Literatur, war ein indischer erotischer Film gedreht worden. Und Mani Kaul, der Ästhet unter den indischen Regisseuren, zeichnete verantwortlich. Eine einzige Vorstellung war für die „Erotic Tales“ und die Filme „Wet“, „The Dutch Master“ und „The Cloud Door“ genehmigt worden. So sicher wie das Amen in der Kirche musste die Filmvorführung von der Polizei überwacht werden, um Ausschreitungen vor den Toren des Sterling-Kinos zu verhindern. Der Direktor der IFFI, Malti Sahi, konnte das Schlimmste verhindern. Er veranstaltete eine gesonderte Pressevorführung von „The Cloud Door“ im „Kleinen Theater“ des bekannten Tata-Instituts in Nariman Point. Nach der Pressevorführung interviewte das indische Fernsehen den Ko-Produzenten Lalitha Krishna und die Schauspielerin Anu Arya Aggarwal,die ihre Karriere aufs Spiel gesetzt hatte, als sie im Film ihre Brust entblößt hatte. Ein Tabu war gebrochen worden. Noch heute kämpft der indische Verleiher mit den Zensurbehörden um die Freigabe der Filmreihe. Mani Kaul verknüpfte in seinem Film drei literarische Quellen: Bhasas Sanskrit-Stück „Avimaraka“ aus dem 5. bis 7. Jahrhundert, Mohammed Jayasis Liebesgedicht „Padmavat“ aus dem 13. Jahrhundert und die erotische Erzählung „Suksapiti“, geschrieben von einem unbekannten indischen Autor. In Indien ist die Geschichte des Papageien Hermani, der Ratnasan in die Schlafgemächer der Prinzessin Kurangi führt, wohlbekannt. Allerdings war diese bislang noch nicht auf der Leinwand zu sehen. Sowohl das New-York-Film-Festival als auch das Robert Flaherty-Seminar präsentierten „Thr Cloud Door“ – eine hohe Auszeichnung für jeden Regisseur.

Die unersättliche Mrs. Kirsch

1994
Hintergrund Ken Russell, das Entfant Terrible des britischen erotischen Films, war zufällig wegen des MIP-TV-Marktes in Cannes. Zufällig sah er die täglichen Video-Spots am Regina Ziegler-Stand, in denen die Reihe „Erotic Tales“ angekündigt wurde. Der Regisseur des skandalumwitterten Films „Woman in Love“ (1969) und „The Devils“ (1971)- seiner Version von Aldous Huxleys „The Devils of Loudon“ – hatte gerade mit “Lady Chatterly“ einen weiteren Roman von D. H. Lawrence verfilmt. In Cannes bot er sich einfach an, ein „Erotic Tale“ zu drehen. „Ich glaube, ich kann euch in ein paar Wochen ein Drehbuch präsentieren. Ich führe gerade in Bonn regie, also warum treffen wir uns nicht dort?“ Zwischen den Proben, bei einem italienischen Mittagessen, erzählte er Regina Ziegler seine Geschichte von der Brustpumpe... „The insatiable Mrs. Kirsch” – das ist eine erotische Geschichte mitten aus dem realen Leben gegriffen. Nach der Auffassung von Hetty Baynes, Ken Russels Frau und selbst Schauspielerin, handelt es sich um „eine Erzählung über Geräusche – oder was Menschen den Geräuschen, die sie Wahrnehmen, zuordnen.“ So können die Geräusche einer Pumpe leicht mit denen eines Vibrators verwechselt werden. Man stelle sich also den begeisterten Schriftsteller vor, der der Vermutung erliegt, hinter einer verschlossenen Hotelzimmertür einen Vibrator surren zu hören. Der männlichen Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt: Was für eine Frau!... Wenige Monte später drehte Russel an der schönen Küste von Dorset in einem exklusiven Hotel bei Swanage in der Nähe bekannter Touristenattraktionen. Hetty Baynes spielte Mrs. Kirsch, Simon Shepherd den verunsicherten, verwirrten Literaten. „Entzückender kitsch“, schrieb ein Kritiker. „Eine riesige Komödie“, schwärmte enthusiastisch ein Festival-Besucher in Denver.

Feucht

1994
Hintergrund Bob Rafelson war gerade von einem sechswöchigen Abenteuer-Urlaub in Der Türkei nach L.A. zurückgekommen, als er einen Anruf von der Regina Ziegler Filmproduktion erhielt. Man fragte ihn, ob er nicht ebenfalls ein „Erotic Tale“ drehen wolle. „Warum nicht?“, lautete die spontane Antwort. Gerade hatte Rafelson zwei Jahre Arbeit mit dem enttäuschenden „Man Trouble“ vergeudet und war nur allzu bereit, zu seinen filmischen Wurzeln zurückzukehren. Bereits 1969 war die BBS-Produktions (ein „B“ stand für Bob) maßgeblich an Dennis Hoppers Cannes-Sensation „Easy Riders“ beteiligt. Bob war 1986 auch der Regisseur einer der heißesten Szenen, die je an der Riviera zu sehen waren: Faye Dunaway und Jack Nicholson, die in „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ den Küchentisch zum Glühen bringen. „Also, wie wär´s diesmal in der Badewanne?“ Schon Sechs Wochen später war „Wet“ fertiggestellt. Ein Screening von Bob Kurzspielfilm wurde für Regina Ziegler in einem Avid-Studio in Las Palmas (Hollywood) veranstaltet. Zu den Auswahlgesprächen der Biennale brachte Rafelson ein Videoband nach Cannes mit. Aber Pierre Rissient, Entdecker für das Cannes-Festival,hatte Einwände: „Könnt ihr uns den Film nicht für nächstes Jahr überlassen?“ „Wet“ und „Dutch Master“ machten den Sonntagnachmittag im Mai 1994, der unter dem Titel „Séance Spécial-Contes de la Séducion“ stand, im „Salle Lumiére“ zu einem Erlebnis. „Wet“ war der Beginn der Kariere der Sängerin und Schauspielerin Cynda Williams, der sinnlichen jungen Frau in der Badewanne, die wenig später auch in der Hauptrolle in Mika Kaurismäki´s „Condition Red“ überzeugen konnte. Als die „Erotic Tale“ dann im Rahmen des Festivals in Kairo gezeigt werden sollten, war „Wet“ der einzige Film, der staatlich zensiert wurde und nicht gezeigt werden konnte.

Vroom, Vroom, Vroom

1994
Es war einmal ein Teenager namens Leroy, der half einer sonderbaren alten Frau. Leroy war ein Einzelgänger wider Willen. Seine Kumpels hatten Freundinnen, er hatte Pickel. Für die Mädchen, sogar für die ganz Schüchternen, war er Luft.

Der flämische Meister

1993
Die „Erotic Tales“ begannen ihren Triumphzug auf sämtlichen Film- Festivals in der Welt mit der Präsentation von Susan Seidelmans „The Dutch Master“ in Telluride, Amerikas bedeutendstem Kult- und Cinemathek – Festival im September 1993. Mit der Erlaubnis von Gilles Jacob (Cannes) wurde der Film in der Eröffnungsnacht gezeigt. Der Film und seine Regisseurin wurden von Festival-Direktor John Boorman vorgestellt. Übrigens: Zu diesem Zeitpunkt war bereits entschieden, „The Dutch Master“ wie auch Bob Rafelsons „Wet“ im Mai 1994 in Cannes zu präsentieren. Boorman befragte Seidelman zur Inspiration ihres „Erotic Tale“: Ein Gemälde aus dem 17. Jahrhundert, das im Louvre hängt. Pieter de Hoochs Bild mit dem Titel „Der Trinker“. Ein Jahr später war Boorman selbst Regisseur eines erotischen Kurzfilms. „Two Nudes Bathing“ (1995), der in der Kategorie „Certain Regard“ in Cannes 1995 gezeigt wurde. Rein zufällig (oder etwa nicht?) war auch Boorman zu „Two Nudes Bathing“ von einem Gemälde aus dem Louvre inspiriert worden. Allerdings von einem Gemälde eines nicht bekannten Malers der Fontainebleau-Schule aus dem 16. Jahrhundert. Zum zweiten Male wurde Susan Seidelmans „The Dutch Master“ im darauffolgenden Oktober bei einer geschlossenen Veranstaltung, auf dem prestigeträchtigen Hampton-Festival in Long Island gezeigt. Dabei waren viele Mitglieder der „Academy of Motion Picture Arts and Science“ anwesend. Wenig später wurde „The Dutch Master“ für einen „Oscar“ in der Kategorie „Short Fiction Film“ nominiert. Somit waren die „Erotic Tales“ in der ganzen Welt bekannt. Mira Sorvino, die Zahnarzthelferin, die von einem Gemälde im Museum verzaubert wird, spricht kein einziges Wort in „The Dutch Master“. Wenig später brillierte sie in dem Woody-Allen-Film „Mighty Aphrodite“ in der Rolle eines geschwätzigen Pornostars, der allen die Show stiehlt. Der Film wurde 1995 in Cannes vorgestellt.

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