Zwischenbericht - André Heller
1989

"Das Ende einer Liebesbeziehung"
Er gehört zu Wien wie die Lippizaner, die Sachertorte und Hans Moser. Doch André Heller will seine Vaterstadt nun verlassen. In seinem 42. Lebensjahr plant er den entscheidenden Aufbruch seines Lebens.
Wir wollten versuchen André Heller an diesem geplantem (oder inszenierten?) Wendepunkt seines Lebens zu dokumentieren. Mit dem Blick des Abschiednehmenden will er noch einmal seine Wiener Existenz erzählen und beurteilen (das Elternhaus, der jüdische Vater, der Weg zur Kunst als Selbsterrettung, die Suche nach einer eigenen Lebensmöglichkeit zwischen Kitsch, Kunst und Konsum, die Anstrengung André Heller zu sein, - zu werden.)Wir wollten von ihm erfahren, welche Stadien seine persönliche Auseinandersetzung mit seiner Heimatstadt Wien Heller durchlaufen hat (wie der Bürgerschreck aus den Kaffeehäusern sich immer weiter abseits stellte, an der "Hure Wien" krankte.) und wie es zur "Scheidung" gekommen ist.
Der Film stellt den Versuch dar, in der Lebensmitte des Künstlers Heller die Zwischenbilanz seines Lebens zu ziehen, keine vollständige Chronologie zu zeigen, sondern Bruchstücke einer "kleiner Konfession"; Auswahl und Schwerpunkt sind durch den Abschiedsspaziergang in Wien bestimmt. Gemeinsam mit Heller werden wir Orte durchwandern, die Geschichten erzählen und von Heller erzählt (ein Friedhof,ein Park, sein Haus).
In Gardone Riviera wollten wir mit Heller über das Kommende sprechen: Phantasien darüber, welche Teile der eigenen Geschichte in diesem neuen Freiraum spielen sollen. Wie wird er das leere Haus füllen? Welche Gedanken hat er über das Älterwerden? Welche Chancen erhofft er sich von dem nächsten Jahren?