KGB in Deutschland (2006)

Eine zweiteilige TV-Dokumentation führt ihre Zuseher an die Frontlinie eines geheimen “Heißen Krieges”, von 1945 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Deutschland, ein Land mit zwei Staaten und zwei Ideologien, durchschnitten von einer sehr realen Mauer, war das ideale Schlachtfeld für Geheimdienste wie den KGB. Beide Seiten glaubten an die „Domino-Theorie“: Wenn nur ein Stein fällt, kippt die ganze Reihe. Wenn Deutschland fällt, und Berlin, dann wird das ganze System zusammenbrechen. Fast 50 Jahre lang waren auf beiden Seiten der Mauer ganze Heerscharen von Spionen damit beschäftigt, gegeneinander Krieg zu führen. Ein KGB-General, jahrzehntelang Leiter der Länderabteilung „Deutschland“ schätzt, dass auf dem Höhepunkt der Spannungen „jeder Fünfte Deutsche“ in West- und Ostberlin wissentlich oder unwissentlich Kontakt mit einem Geheimdienst gehabt hat. Der Preis war hoch. Die Toten dieses Krieges hat niemand je gezählt. Es gab viele von ihnen, Sekretärinnen in Bonner Ministerien, die mit Vorspiegelung von Liebe zum Geheimnisverrat bewegt wurden, und am Ende Selbstmord begingen, Computerhacker in russischen Diensten, Exilpolitiker aus den Staaten der Sowjetunion, Agenten, die einen Kontakt zuviel aufbauten.

Zum ersten Mal berichten hochrangige KGB-Insider über ihre Fälle und Methoden. Und zum ersten Mal berichten geworbene Spione und Opfer des KGB über ihre Erlebnisse: Vom erfolgreichen „Raketenklau“, erzählt von einem der Diebe in Diensten des KGB, bis zum Fall eines Bundeswehr-Überläufers, erzählt mit sichtbarer Freude an seinem Unglück von den Falloffizieren des KGB. Vom angenehmen Leben als KGB-Offizier im Nachkriegsdeutschland bis zum Preis der Urangewinnung im Erzgebirge durch den KGB-Vorgänger NKWD. Von der unsichtbaren Tätigkeit des KGB-Residenten bis zur totalen Unterwanderung der Bonner Republik. Von den jugendlichen Opfern stalinistischen Terrors in den „Speziallagern“ bis zur gegenseitigen Bespitzelung von Stasi und KGB in der DDR Von den Killerkommandos des KGB bis zur Freizeitgestaltung des KGB in Deutschland. Von Ausschnitten aus Lehrfilmen der KGB-Auslandsaufklärung bis zur rätselhaften Tätigkeit des Vladimir Putin und seiner wirklichen Vorgesetzten in Dresden. Von den Gefahren der Ostpolitik bis zum wenig ruhmreichen Handeln des KGB in Zeiten der Perestroika.

Die vielen Facetten der KGB-Operationen in Deutschland werden anhand einzelner, dramatisch erzählter Fälle in bisher ungezeigtem Archivmaterial, seltenen Archivalien und lebendiger Inszenierung sichtbar. Autor und Regisseur Matthias Unterburg hat, zusammen mit seiner Crew, ungezählte Kilometer Film gesichtet, tausende Seiten Akten eingesehen – und viele Gespräche mit Zeitzeugen geführt, in Moskau und anderswo. Gefunden hat er dabei, neben Amateurfilmen von KGB-Agenten und anderen ungehobenen Schätzen aus den Archiven, spannende und dramatische Geschichte.

Stab

Regie
Matthias Unterburg

Drehbuch
Matthias Unterburg

Kamera
Yuri Brodski / Matthias Seldte / Berthold Baule

Schnitt
Berthold Baule

Produzent
Jasmin Gravenhorst

Redaktion
Martin Hübner, MDR / Katja Wildermuth, MDR / Beate Schlanstein, WDR

Erstaustrahlung
06.12.2006

Quote
0,19 Mio.

Infos

Sender
ARD

Genre
Documentary

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